OptimumText-Schreibtipp: Zitieren - aber richtig!
Zitieren - warum eigentlich?
Um das Zitieren kommen Sie nicht herum. In einer Studien- oder gar Abschlussarbeit müssen Sie zeigen, dass Sie sich mit dem Forschungsstand auseinandergesetzt haben und die aktuelle Diskussion kennen. Sie werden Argumente anderer Wissenschaftler anführen - entweder, um damit Ihre eigene Position zu untermauern oder aber, um daran Ihre Gegenposition aufzubauen.
Zitieren kann man wörtlich oder in eigenen Worten, also in Paraphrasen. Auf jeden Fall ist es erforderlich, dass der Leser, wenn er das möchte, das Zitierte anhand der von Ihnen genannten Quelle nachvollziehen kann. Dabei ist absolute Sorgfalt unerlässlich - schlampige Quellenangaben, ungenaue Zitate und Paraphrasen, die nicht als fremde Gedanken gekennzeichnet sind, entwerten eine wissenschaftliche Arbeit. Letzteres nennt man Plagiat. Davon gibt es mehrere Arten, hier nur die wichtigsten: Textplagiat (wörtliche Wiedergabe ohne Kennzeichnung), Ideenplagiat (eine Idee wird in eigenen Worten dargestellt, so dass die ursprüngliche - nicht genannte - Quelle nicht mehr auf Anhieb erkannt wird, Übersetzungsplagiat (Ideen werden aus einem fremdsprachigen Werk übersetzt, ohne die Quelle zu nennen), Zitatsplagiat (man übernimmt ein Zitat aus der Sekundärliteratur, gibt aber nur den Primärtext) (Karmasin/Ribing, 87).
Dass man eine Quelle für das Gesagte nennt, heißt aber noch lange nicht, dass man nun hemmungslos draufloszitieren darf. Gerade Anfänger neigen dazu, ein Zitat an das andere zu reihen, mehr oder weniger geschickt verbunden durch je ein, zwei eigene Sätze; oder sie zitieren gleich über mehrere Seiten. In einer wissenschaftlichen Arbeit geht es darum, dass Sie Ihre Ideen und Gedanken darstellen. In einer der ersten Seminarhausarbeiten mag es je nach Thema noch angehen, wenn Sie vor allem den Forschungsstand darstellen. Spätestens in der Abschlussarbeit aber wird von Ihnen eine eigenständige Leistung erwartet. Schauen Sie einmal in Ihre Prüfungsordnung. Dort finden Sie sicherlich diesen oder einen sehr ähnlichen Satz: "Durch die Magisterprüfung sollen die Studierenden nachweisen, dass sie gründliche Fachkenntnisse erworben haben und fähig sind, selbständig wissenschaftlich zu arbeiten." (§1 S. 2 Ordnung für die Magisterprüfung der geisteswissenschaftlichen Fächer der Justus-Liebig-Universität Gießen)
Zitieren - so wird's gemacht
Anmerkung: Leider ist es mir auf meiner Homepage nicht möglich, alle Zeichen korrekt darzustellen. Die einleitenden einfachen und doppelten Anführungszeichen gehören nach unten. Das Fußnotenzeichen wird hochgestellt. Bitte berücksichtigen Sie das.
- Wörtliche Zitate werden in doppelte Anführungszeichen gesetzt: Bsp.: "Nach der Analye der Barthesschen Texte aus dieser Perspektive können wir also feststellen: Der frühe Barthes ist modern, der späte dagegen postmodern."
- Zitate im Zitat werden in einfache Anführungszeichen gesetzt. Bsp.: "Anders als die Literatur befinde sich die Wissenschaft nicht in der Sprache (language): 'Die Wissenschaft
wird gesprochen, die Literatur geschrieben; die eine wird von der Stimme geleitet, die andere folgt der Hand; es ist nicht derselbe Körper und folglich nicht dasselbe Begehren, das hinter beiden
steht.'"
- Wenn ein Satz mit einem Zitat endet, welches wiederum mit einem Satzzeichen endet, so wird kein weiteres Satzzeichen gesetzt.
- Auslassungen werden durch drei Punkte gekennzeichnet: ... oder (...) oder [...]. Bitte achten Sie darauf, dass dabei der Sinnzusammenhang nicht verändert oder gar verdreht wird! Bsp.: "Anders als die Literatur befinde sich die Wissenschaft nicht in der Sprache [...] : 'Die Wissenschaft wird gesprochen, die Literatur geschrieben; die eine wird von der Stimme geleitet, die andere folgt der Hand [...].'"
- Zitate können kursiv gesetzt werden. Bsp.: "Nach der Analye der Barthesschen Texte aus dieser Perspektive können wir also feststellen: Der frühe Barthes ist modern, der späte dagegen postmodern."
- Längere Zitate (mehr als drei Zeilen) werden etwa einen Zentimeter eingerückt. Sie können einzeilig gesetzt werden.
"Anders als die Literatur befinde sich die Wissenschaft nicht in der Sprache (language): 'Die Wissenschaft wird gesprochen, die Literatur geschrieben; die eine wird von der Stimme geleitet, die andere folgt der Hand; es ist nicht derselbe Körper und folglich nicht dasselbe Begehren, das hinter beiden steht.'"
- Enthält das Zitat einen Fehler, dann setzten Sie direkt danach [sic] oder [!]. Sie zeigen damit, dass nicht Sie sich vertippt haben, sondern der Fehler bereits im Original lag und sie ihn bemerkt haben.
- Zitieren Sie aus einem Text, der in alter Rechtschreibung verfasst ist, so müssen Sie Abweichungen zur neuen Rechtschreibung dagegen nicht mit [sic] kennzeichnen! Eine Anpassung an die neue
Rechtschreibung darf aber auch nicht erfolgen. Das ist nur im Schulbuchbereich üblich.
- Nehmen Sie Veränderungen im Zitat vor, beispielsweise Hervorhebungen, so weisen Sie in eckigen Klammern darauf hin: [Hervorhebung des Verfassers; Herv. d.
Verf.]. Bsp.: "Der frühe Barthes ist
modern, der späte dagegen postmodern." [Herv. d. Verf.]
- Werden durch die Anpassung an den Satzfluss Umstellungen oder Ergänzungen erforderlich, so setzen sie diese Ebenfalls in eckige Klammern: Der Autor führte aus, dass "diese ganze Diskussion [...] hinfällig geworden [ist]." Hier wurde das "ist" nach hinten vorschoben.
- Bei Paraphrasen (sinngemäße Zitaten) muss man genau erkennen, welcher Teil des Textes übernommen wurden. Bsp.: Nach Auffassung Ettes muss der frühe Barthes als modern, der späte dagegen als postmodern bezeichnet werden.[1]
Die Zitate wurden entnommen aus: Ottmar Ette: Roland Barthes. Eine intellektuelle Biographie, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1998.
